Post vom Meer.

Die Postkarte passt nicht in meinen Briefkasten – genau genommen ist es nicht mal eine Postkarte: Es ist ein Stück helles Birkenholz, so groß wie ein Frühstücksbrett und auf der Vorderseite klebt eine Paketmarke. Der Postbote hat das Holzstück bis vor meine Wohnungstür gebracht und dort lehnt es, als ich nach Hause komme.

Die Ränder des Holzes sind sorgfältig geglättet, mein Name und meine Adresse sind fein säuberlich hineingefräst – und es ist doch eine Postkarte. Von Knochenkalle.

Auf der Rückseite: Buchstaben. Knochenkalle hat seinen groben Tischlerbleistift mit dem Messer auf eine feine Spitze zurechtgeschnitzt, aber seine Schrift ist groß und eckig als hätte er lange nichts geschrieben außer Zahlen und Maßen. Die Buchstaben überlagern sich, kaum lesbar.

“Sei vorsichtig, wenn du gehst, du könntest einen harten Weg gehen.
Sei vorsichtig, wenn du redest, von all dem Zeug erzählst.”

Ich brauche eine Weile bis ich diesen Text entziffert und ihn Knochenkalles Lieblingsschallplatte zugeordnet habe. Ich gehe ins Wohnzimmer, lasse das Vinyl aus seiner papiernen Hülle auf den Plattenteller gleiten und höre Stimmen davon singen, welche Farbe das Gras hat – und der Himmel.

Ich denke wehmütig an das Meer, das seine Farbe selbst bestimmt, und an Knochenkalle, der weit weg seinen Bleistift anspitzt, um wieder Maß und Zahlen zu notieren.
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Behind the Scenes: Der Video-Dreh.

Bücher sind langweilig. Leidenschaftliche Leser werden jetzt aufschreien – Marketing-Menschen dagegen wissend nicken. So’n Buch liegt rum, das ist seine Natur. Es spricht nicht, es kann nicht tanzen und auch sonst nicht viel, zumindest nicht von allein.

Gestern, beim Video-Dreh habe ich mit 4 wunderbaren Leuten und 1 soundliebenden Kameramann alles dafür getan, dass mein Roman ab 15.09. zu euch spricht. Und sogar tanzt. Wie das aussah? So zum Beispiel:

(c) Alexander Winter

(c) Alexander Winter

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DYNAMITE #89: Female-Fronted Psychobilly.

Geschlechtsbesprechung einmal anders (hoffe ich): Ich hasse Genderdiskussionen, das weiß jeder, der mich kennt. Ich lese gern Bücher von männlichen Autoren, ich höre lieber Sänger als Sängerinnen und oft komme ich generell mit Männern besser klar.

Aber nachdem ich die Interviewanfragen zu diesem Artikel in der ersten Runde so richtig versaut (und genau dieselben dummen Fragen gestellt hatte, die die Psycholadies schon tausend Mal hören mussten), habe ich in der zweiten Runde kräftig dazugelernt, was Gesprächsführung, Information und Respekt vor dem Interviewpartner angeht. Außerdem an dieser Stelle ein dickes Kompliment an Kitty In A Casket und Shakey Sue von den Hellfreaks, die als Einzige völlig unverblümt und mutig aus dem Nähkästchen geplaudert haben – sowie an die Retarded Rats, die zwar nicht reden wollten, aber mich trotzdem über einiges aufgeklärt haben.

Und… zum allerersten Mal bin ich mit einer Story auf dem Cover des DYNAMITE! Ich freu mich riesig… und bin gespannt, ob von dem ein oder anderen Tarzan (oder gar einer Jane) trotz der so verträglich pinken Cupcake-Optik eine Allet-Scheißdreck-Reaktion bei mir landet. Bisher: nope.

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DYNAMITE #89: Heartbreaker.

Besonders schön ist das Gelände an der Columbia-Halle nicht. Weitaus irritierender: In diesem Jahr gab es neben dem üblichen (und recht schicken) Rockabilly-Sortiment auch Hipster-Leggins mit Sternenmuster zu kaufen. Ansonsten: Nicht die schönste Rock’n’Roll-veranstaltung Berlins, aber als Messe ganz nett! Am besten, wenn die Konzerte laufen – sonst ist es bis auf die Stimme des so unermüdlich wie unsichtbaren Hallenbeschallers doch etwas ruhig.

Aber gegen Abend ist es draußen mit einem frischen Burger in der Hand und frischer Musik im Ohr durchaus komfortabel.

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1rst Support Crowdfunding: John Allen.

John Allen? Der Singer-Songwriter aus Hamburg? Ja, genau der.

John Allen - On The RoadGenau der ist der erste prominente Support, der mich bei der Crowdfunding-Kampage für meinen Roman “Druckstaueffekt” unterstützen wird. Und zwar mit etwas sehr persönlichem, nämlich dem handgeschriebenen Text zu dem wunderbaren Song “On The Road”.

Was damit gemacht werden wird, wird noch nicht verraten, aber ich kann die Geschichte vom Warum erzählen: Als Musikjournalistin hab ich immer irgendwas laufen – arbeiten ohne Musik geht gar nicht. John Allen war mir beim Frank-Turner-Konzert über den Weg gelaufen und in den Song “On The Road” hatte ich mich nicht wegen der Kerouac-Hommage verliebt.

Ganz klar, dass dies der Song war, den meine Protagonistin hören musste, als sie in Kapitel 6 in ein (vermeintlich) neues Leben aufbricht, aus der Wohnung ihres Ex-Freundes aus- und in ihre eigene Wohnung einzieht:

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#4 Über Stolz & Handwerk.

“For sale: Baby shoes, never worn.”
(Ernest Hemingway)

Mit dieser Kürzestgeschichte hat Hemingway mal eine Wette gewonnen: Bei einem Lunch mit Freunden, hatte er um 10 Dollar gewettet, dass er in der Lage sei, eine ganze Geschichte in nur sechs Worten zu erzählen. So entstand eine der für mich traurigsten Stories überhaupt – und brauchte nicht mehr Platz als sich auf einer Serviette findet. Damit hat Hemingway – der nicht nur Autor, sondern auch Reporter und Kriegsberichtserstatter im Zweiten Weltkrieg war -, den Pott abgeräumt.

Möglicherweise hat sich der alte Mann dafür bei William R. Kanes “Little Shoes, never worn” (1917) oder bei einer gelesenenVerkaufsanzeige bedient. Aber Fakt ist, dass er mit seinem Six-Word-Flash in kürzester Zeit einen guten Beweis für meine Lieblingstheorie des Schreibens geliefert hat: In der Kürze liegt die Würze.

  1. Raus mit dem überflüssigen Ballast! Und zwar sowohl bei journalistischen und fiktionalen Texten als auch bei allem anderen. Don’t fasel, my friend.
  2. Es zählt nicht, wie viele, sondern welche Worte man wählt.

Es gehört nicht ganz zum Lern-Ansatz dieser Blogreihe, aber auch beim Twitter-Literat Florian Meimberg kann man in der Hinsicht eine Menge lernen. Denn auf seinem Account @tiny_tales ganze Romane in 140 Zeichen zu lesen sind: “Professor Soy nickte zufrieden, als er mit routinierten Stichen die Bauchdecke zunähte. Das Implantat war platziert. Der Zeitzünder aktiv.” Wenn jedes Wort so knackig sitzt, hat man seinen Job gut gemacht.

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#3 Über Stolz & Handwerk.

Du kriegst Presse, wenn du mir die Wahrheit erzählst.”
(Oliver Wagner)

Vorausgegangen war diesem weisen Spruch eine Diskussion darüber, dass jedes Interview ein Geschäft ist. Wenn man sich darüber im Klaren ist, dass man als Interviewer nicht nur etwas vom anderen will, sondern auch der Gesprächspartner etwas von einem selbst, sind die Fronten im Wesentlichen schon mal geklärt.

Dass man selbst nichts hören will, was einem Pressemeldungen nicht längst mundfertig serviert haben, versteht sich von allein. Dass der andere einem oft am liebsten nichts anderes als das servieren will… nun ja. Aber man kann ihn wohlmöglich vom Gegenteil überzeugen. Denn Pressemeldungen wiederkäuen ist nicht nur clean, sondern auch langweilig – und zwar für alle Beteiligten, einschließlich Leser.

Und wenn’s mal unbequem wird, ist es wenigstens nicht öde. Hier kommen wir außerdem zu der zweiten (leicht abgewandelten, weil nicht mitgeschriebenen) Wagner’schen Weisheit: Kein ernstzunehmender Interviewpartner wird sauer, solange du deine Fragen gut vorbereitet hast.

Also: Stand tall, stand proud und mach den besten Deal, der sich rausholen lässt.

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#Groupon: Lucky Cut oder Schick in Schöneweide.

Seitdem ich 15 bin, färbe ich mir den Rotschopf selbst. Vor ein paar Jahren hab ich mir dann mal Friseur-Luxus gönnen wollen – und kam dunkelviolett behaart wieder aus dem Laden. War auch ganz hübsch, aber nicht das, was ich wollte. Nun ja, zu einem Psychobilly-Mann kriegt man ja zum Glück immer einen guten Friseur dazu, gratis quasi.

Und auch wenn Meiner-Einer sich mittlerweile von einem Freund den Flat scheren lässt, bin ich seinem alten Salon treu geblieben:

Lucky Cut

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Es wird ernst! – Save the date: 3.Oktober in Hamburg

rocknroulette:

Frau Bukowski, der Glumm und icke in Hamburg, auf einer Bühne… wie wäre das?

Ursprünglich veröffentlicht auf Candy Bukowski:

Jetzt aber wirklich: Wir müssen wahnsinnig sein!
Rocknroulette zappelt sich seit Monaten einen ab, Glumm spricht von Panikattacken, mir geht der Allerwerteste nicht minder auf Grundeis.

Aber! … wir wollen!
Und die Umfrage aus dem April, bei der wir wissen wollten, ob überhaupt irgendjemand Lust auf “Blogger lesen für Blogger” hätte, macht uns weiterhin Mut.

Seid Ihr noch dabei? Kommt Ihr? Trommelt Ihr mit für uns?
Gut. Weil wir nämlich viele brauchen, die uns unterstützen.
Was sich deutlich gezeigt hat, ist, dass wir einen Raum anmieten müssen.
Um sicher zu gehen, dass auch jeder Platz findet, der kommen möchte.
Kein Mensch will wie Hering in einem engen, stickigen Raum stehen, und hätte dabei den Nerv, zwei Stunden Geschichten zu hören.
Obwohl die natürlich super sind. Die Geschichten.
Und wir. Und ihr. Und überhaupt.

Wir kommen um einen Einrtritt von 5 Euro nicht herum, um zumindest anteilig, nur die Miete…

Original ansehen noch 101 Wörter

Die große Umfrage: Wie soll mein Roman heißen?

Freunde, es wird ernst: Gerade habe ich mit meinem freundlichen Verleger (“mein Verleger”… ich wollte das schon immer mal sagen! Juchhu!) einen Brainstorm zum finalen Romantitel samt Untertitel gehabt. Und weil diese Buchproduktion ja mit Publikumsbeteiligung funktioniert, konntet ihr schon vor Beginn des Crowdfundings aktiv werden.

Nach 24 Stunden habe ich die Umfrage nun geschlossen und das ist das Ergebnis!

UnbenanntAußerdem haben sich viele von euch die Mühe gemacht und mir sogar ausführliche Kommentare geschrieben, die ich hier auswerten möchte:

PRO “DRUCKSTAUEFFEKT”

  • auch wenn man nicht weiß, was es ist, fallen einem von Sex bis zu gesellschaftlicher Druck viele passende Interpretationen ein
  • es ist ein BÄM!-Wort (wie mein Verleger so schön sagte)
  • perfekt, sehr speziell, ganz großes Kino
  • man kann mit der Erklärung spielen (was ich auch vorhabe)

CONTRA “DRUCKSTAUEFFEKT”

  • keiner weiß, was das ist – es sei denn, er ist Tontechniker
  • unbekannte Worte sind schwer zu merken
  • es wirkt gewollt, zieht nicht – etwas mehr Emotion könnte besser sein
  • klingt nach Lohas – was aber nicht per se schlecht sein muss

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